Beratungshilfescheine für Verbraucherinsolvenz

Bei dem ersten kostenlosen Beratungsgespräch beim Verein für Existenzsicherung (VfE), werden ihr die weiteren Schritte erläutert, doch dazu braucht sie einen Beratungshilfeschein, denn den ganzen Fall kostenlos abwickeln geht nicht. Doch beim Amtsgericht wurde sie an die öffentlichen Schuldnerberatungsstellen verwiesen. Die Wartezeit hier belief sich derzeit auf 7 Monate. So lange konnte Frau Müller nicht warten, denn der Gerichtsvollzieher stand bereits schon einige Male vor der Tür. Während der Wartezeit hat Frau Müller nicht die Möglichkeit Insolvenz anzumelden.

Auf Nachfrage beim Amtsgericht gab es folgende Antwort, Zitat: Wo es – über die Schuldnerberatungen – eine alternative Rechtsberatungsmöglichkeit gibt, weisen Rechtspfleger, die die Gewährung von Beratungshilfe mit Verweis auf anderweitige Hilfemöglichkeiten ablehnen, damit zu Recht auf besondere Hilfemöglichkeiten auf dem Gebiet des Insolvenzrechts hin und zeigen den Weg zu einer kostenlosen und umfassenden Beratung auf. Ist eine Wartezeit bei den Schuldnerberatungsstellen länger als sechs Monate, wird regelmäßig Beratungshilfe gewährt.

Allerdings wird Beratungshilfe im konkreten Einzelfall immer nur dann gewährt, wenn keine anderen Möglichkeiten für eine Hilfe bestehen, deren Inanspruchnahme dem Rechtsuchenden zuzumuten sind. Das ist in § 1 Abs. 1 Nr. 2 Beratungshilfegesetz so festgelegt. Ende Zitat.

Für die Gerichte wird eine Wartezeit von 6-9 Monaten allerdings laut Rechtsprechung ebenfalls für zumutbar erachtet (AG Stendal, richterlicher Beschluss vom 25.05.2007). Betrachtet man sich die Kosten im Vergleich von Beratungshilfescheinen und öffentliche Schuldnerberatung, so ist festzuhalten, dass Beratungshilfescheine meist kostengünstiger sind. Beides wird vom Bundeshaushalt bezahlt und letztendlich vom Steuerzahler beglichen. Wird aber die Wartezeit bei der Berechnung berücksichtigt, so liegen die öffentlichen Schuldnerberatungen weit vorn, denn je länger der Schuldner warten muss umso mehr Schulden laufen auf und umso mehr Gläubiger werden es.

Der Verbraucher sollte die Möglichkeit haben selbst zu wählen, ob er zu den öffentlichen Schuldnerberatungsstellen geht, oder sich lieber einer privaten Schuldnerberater anvertraut.

* Name geändert

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