Beschiss bei Studentenkredite: Das Ende vor dem Anfang?

Der Student eines Studiengangs im Bereich Wirtschaft steht gegenwärtig, kurz vor seiner Masterarbeit, vor dem finanziellen Ruin. Die Deutsche Bank will mit allen Mitteln eine Umschuldung seines Studentenkredites durchziehen und setzt den Studenten so unter Druck, dass er sich kaum noch auf seine Masterarbeit konzentrieren kann. Manchmal kommen bis zu zwei Briefe und Mahnungen der Bank täglich – von einer flexiblen Rückzahlung oder einer Verlängerung des Vertrages, wie von der Bank beworben, ist hier keine Spur.

Christoph L. (Name von der Redaktion geändert) wollte seinen Studiengang in der Regelzeit absolvieren und sich voll und ganz darauf konzentrieren, deshalb entschied er sich – neben dem Bafög – noch einen Studentenkredit aufzunehmen. Solche Finanzierungsmodelle wurde durch Frau Annette Schavan (CDU) vor einigen Jahren angeregt und sollte die Finanzierung der Studienzeit sicherstellen. Studentenverbände warnten schon bei Einführung vor einer möglichen Schuldenfalle.

Christoph L. ist einer von vielen, die einen zusätzlichen Kredit aufgenommen haben. Wie sie auch, wollte er sich keine Sorgen ums Geld machen müssen und es sollten seine für den Studiengang erforderlichen Reisen sichergestellt sein.

Bei dem Beratungsgespräch in der Deutschen Bank klang alles so einfach, wie es die Werbung beschreibt „gelassen durchs Studium“. Christoph wies immer darauf hin, dass er den Masterabschluss erreichen und deshalb unbedingt das Masterstudium, das auf dem Bachelor aufbaut, durchziehen muss. Die Beraterin versicherte ihm stets, dass es kein Problem sei den Vertrag zu verlängern, doch jetzt gehe es erst mal um den Bachelor. Christoph vertraute seiner Beraterin.

Kurz bevor der Kredit ausgelaufen war, wandte sich Christoph L. mit der Bitte um Verlängerung des Kreditvertrages an seine Bank, doch plötzlich hieß es dort, dass er nicht verlängern könne, sondern einen neuen Vertrag unterschreiben müsse – jedoch zu einem wesentlichen höheren Zinssatz. Nun waren sie da – die Sorgen ums Geld – und das auch noch während des Studiums.

Nach vielen Gesprächen mit der Bank lies sich Christoph breitschlagen und wollte nun umschulden. Die Bank legte einen Termin fest, mit dem Wissen, dass der Student diesen nicht einhalten kann, da er sich wegen eines Praktikums gerade in einer anderen Stadt aufhielt. Deshalb konnte der Student nicht rechtzeitig in der Filiale erscheinen um einen neuen Kreditvertrag zu unterschreiben. Als er sich aktiv um eine Unterzeichnung des Umschuldungskredites bemühte war er bereits als Risikokunde eingestuft und sein Fall war an das Risikomanagement der Bank abgegeben worden. Seine Filiale konnte (oder wollte) nichts mehr für ihn tun.

Das Risikomanagement der Bank übermittelte ihm wiederum einen neuen Umschuldungsvertrag namens „Absolventenkredit“, diesmal mit einem Zinssatz von rund 9%, im neuen Kreditvertrag stand als Berufsbezeichnung „Beamter im mittleren Dienst“, was mit der Wahrheit nichts zu tun hat.

Auch wenn der Berater auf Nachfrage sinngemäß meinte, dass das ja nur „ …eine reine Formalität ist und nichts weiter bedeutet, weil da einfach was stehen muss…“ konnte Christoph L. diesen Vertrag natürlich nicht unterschreiben, steht doch auch in diesem Vertrag „dass alle Angaben der Wahrheit entsprechen müssen“ und „mündliche Nebenabreden keine Gültigkeit haben“. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Bankangestellte später noch an seine Aussage erinnern will und dann obendrein auch vor Gericht noch zu seinem Wort steht, tendiert gegen null. Warum also sollte Christoph L. dem Bankangestellten nochmals glauben?

Die Deutsche Bank lässt nicht locker und legt diesen Vertrag immer wieder vor. Doch auch trotz der jetzt „verbesserten“ Berufsbezeichnung in der letzten Vertragsausfertigung möchte der Student nach dieser Erfahrung nun lieber nichts mehr unterschreiben was die Bank ihm vorlegt – jedenfalls nicht ohne Prüfung durch einen Juristen.

Böse Zungen könnten behaupten, dass die Bank in den Umschuldungen ein profitables Geschäft sieht, denn der Absolventenkredit ermöglicht neben den hohen Zinsen auch hohe Bearbeitungsgebühren.

Christoph ist sauer, weil er nun ein Semester dranhängen musste und ist der Meinung: „Wenn eine Bank Studentenkredite anbietet, dann sollte der Bank auch das Risiko bekannt sein. Mein Bachelor-Studium lief noch richtig schnell. Ich hatte sogar die Bachelorarbeit vorgezogen. Der Ärger und der andauernde Stress mit der Bank haben während des Masterstudiums richtig gestört. Schließlich stand ich mitten während meiner Masterarbeit vor der Insolvenz! Soll jeder Student während eines Studiums eine teure Umschuldung durchziehen deren Nebenkosten für einen Studenten nicht zu tragen sind? Und es ist ja nicht so, dass ich nicht zahlen will, ich kann während des Studiums noch nicht tilgen.“

Die Deutsche Bank wich unseren genauen, fallbezogenen Fragen aus und antwortete pauschal, „Insgesamt können wir derzeit keine Verschlechterung beim Rückzahlungsverhalten von Studentenkrediten feststellen, auch wenn die aktuellen Bedingungen für den Jobeinstieg für die Studenten herausfordernd sind. Bei einer Laufzeit bis 72 Monate bieten wir eine Effektivverzinsung von 7,9% an.“ Die Frage, warum Christoph L. dann 9% zahlen soll, konnte ebenfalls nicht beantwortet werden. Interessanterweise hat die Kfw-Bank die Zinsen für ihren Studienkredit am 15.04. um 0,5% auf 6,5% gesenkt.

Was Studierenden nun blüht, wenn die verschlechterte Arbeitsmarktlage dazu führt, dass nicht direkt nach Studienabschluss ein Beruf mit adäquatem Einkommen gefunden werden kann, muss zukünftig in vielen Fällen von privaten Banken beantwortet werden – das eben geschilderte Beispiel stimmt da nicht eben hoffnungsfroh.

Grundsätzlich wäre eine Antwort auf folgende Fragen sehr interessant:

Warum muss zu einem wesentlich höheren Zinssatz nebst mehreren hundert Euro Bearbeitungsgebühr umgeschuldet werden?

Warum legt eine Bank einen Vertrag mit falscher Berufsbezeichnung vor?

Warum soll ein Student einen Umschuldungskredit unterzeichnen, der ein Zahlungsziel enthält, das er nicht versprechen kann?

Dass die erste Rate noch während des Studiums bezahlt werden muss ist der Bank bekannt. Warum hält sich die Bank nicht an die Zusagen aus ihrer eigenen Werbung?

Der Verein für Existenzsicherung e.V. ist eine der wenigen Schuldnerberatungs-stellen, die seit vielen Jahren Erfahrungen mit Bankverhandlungen haben. Studenten mit gleichen Erfahrungen wenden sich bitte an Johann Tillich. Die telefonische Erstberatung ist selbstverständlich kostenlos, darüber hinaus erhalten Studenten einen ermäßigten Mitgliedsbeitrag von 50,- € im Jahr, der eine Unterstützung durch den VfE ermöglicht.

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