Christ und Geld

Darf ein Christ reich sein? Seit Jahrhunderten verzichten Mönche und Nonnen auf eigene Besitztümer, um sich voll „auf das Reich Gottes“ zu konzentrieren. Macht Geld und Christenmenschen also nicht etwa glücklich, sondern unchristlich?

Gerne wird in diesem Zusammenhang die Geschichte vom reichen Jüngling aus dem Lukasevangelium zitiert. Der kommt zu Jesus und fragt, wie er das ewige Leben erlangen könne. Und obwohl dieser reiche junge Mann seit seiner Kindheit alle Gebote gehalten hatte, sagte Jesus zu ihm : „Es fehlt Dir noch eins. Verkaufe alles was du hast und verteile es unter den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben und komm, folge mir nach.“ Als der Mann das hörte, zog er traurig von dannen, denn er war sehr reich.
Dem gegenüber stehen Meinungen, insbesondere amerikanischer christlicher Gruppierungen, die predigen: „Wenn du ein Kind Gottes bist, dann wird es Dir an nichts mangeln.“ Körperliche Gesundheit und finanzieller Reichtum sind bei dieser Aussage mit eingeschlossen. Dies führt zu der teilweise wirklich extremen Ansicht, dass man am Kontoauszug ersehen kann, wie gut der Christ denn ist, der einem gegenübersteht.

Christ, Reichtum und Armut

Ist es nicht so, dass weder der eine, der absoluten Verzicht, noch der andere, der übermäßigen Reichtum predigt, Recht haben. Festzustellen ist, dass einzig Jesus Recht behält, der Armut in seiner oben zitierten Aussage nicht als unbedingt notwendige Voraussetzung für jeden, der als Christ lebt, darstellt. Vielmehr sah er das Herz des jungen Mannes. Da der junge Mann mehr seinen Reichtum liebte, als er Jesus nachfolgen wollte, blieb ihm zumindest in diesem Moment das Tor zum Himmel verschlossen.

Es geht also nicht darum was oder wie viel wir haben. Es geht darum, wie wir mit dem Geld, das wir haben, umgehen und welchen Stellenwert es in unserem Leben einnimmt.
Vor diesem Hintergrund möchte ich einige Aspekte des Umgangs mit Geld aus biblisch christlicher Sicht darstellen.

Wie verhält es sich denn mit dem Zahlen von Steuern?

Mit der Frage nach dem Zahlen von Steuern wollten die damaligen Gelehrten schon Jesus überführen. Doch sie staunten nicht schlecht, als sich Jesus eine Münze geben ließ und auf das geprägte Geldstück deutete. Da auf der Münze der Kaiser zu sehen war, sagte er zu Ihnen: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“
Sie werden als Leser dieses Artikels wahrscheinlich auch staunen von einem Finanzplaner zu hören, dass Steuern zu zahlen nicht immer die schlechteste Lösung ist. Natürlich gibt es die Möglichkeit, auf eine legale Art und Weise die Steuerlast ein wenig zu senken. Solange es diese legalen Methoden gibt, sollte man diese auch weise nutzen.
Doch wenn es darum geht, in der Einkommensteuererklärung falsche Tatsachen darzustellen, hört der Spaß auf. Gerade als Christ ist man in einer Gesellschaft, in der Werte weiter zu verschwinden drohen, als Vorbild gefragt. Sehen Sie das Zahlen von Steuern als einen Beitrag zur Solidarität mit Ihren Mitbürgern.
Steuern sind ganz bestimmt kein persönlicher Angriff des Finanzministers auf uns Bürger. Aus meiner Berufserfahrung weiß ich, dass viele, die auf Biegen und Brechen versucht haben – wohlgemerkt mit legalen Mitteln – Steuern zu sparen, im nachhinein froh gewesen wären, sie hätten einfach dem Staat gegeben, was ihm nach dem Steuerrecht zusteht und das übrige Geld klassisch angelegt. Als Beispiel können hier dubiose Medienbeteiligungen oder auch Ost-Immobilien mit Sonderabschreibungen aufgeführt werden.

Geiz ist geil – steht diese Mentalität einem Christen?

Geiz bezieht sich normalerweise nicht nur auf das Finanzielle. Geizig sein, ist eine Lebenseinstellung. Wer anderen gegenüber mit seiner Zeit, seinem Geld oder seinen Fähigkeiten geizt, braucht sich nicht zu wundern, wenn sein Umfeld nicht viel mit Ihm zu tun haben möchte. Doch bleiben wir beim Geld.
Es ist heute wirklich so, dass man sein Geld zusammenhalten muss. Die wirtschaftliche Situation hat sich leider noch nicht nachhaltig gebessert, und viele haben Angst um ihre Arbeitsplätze. Da ist verständlich, dass gespart wird, was möglich ist, um für schlechtere Zeiten vorzusorgen.
Interessant ist jedoch die Tatsache, dass dieses Sparen die angespannte Situation –volkswirtschaftlich gesehen – eben noch verschärft. Eine Marktwirtschaft lebt von Angebot und Nachfrage. Fehlt die Nachfrage, fehlt (verkürzt dargestellt) das Wachstum. Das ist jetzt keine Aufforderung zum Geldausgeben; vielen ist es ja auch leider nicht vergönnt, dass Sie derart am Konsum teilhaben können, wie Sie möchten. Dennoch gilt, dass Geiz auch aus wirtschaftlicher Sicht eher contraproduktiv ist. Aus christlicher Sicht gegenüber meinem Nächsten sowieso.
Fehlen die finanziellen Mittel, so steht man eben mit Rat und Tat, z.B. mit praktischer Hilfe bei einem Umzug, zur Verfügung. Jesus war auch hier ein sehr gutes Vorbild. Er hat mit nichts, was er hatte gegeizt. Er war da, wenn Ihn jemand brauchte. Sind Sie das auch – mit Ihrer Zeit und Ihrem Geld?

Ich würde gerne mehr Geld spenden – aber ich habe doch selbst kaum genug!

Auch zu dieser Frage, die viele Menschen heute bewegt, findet sich ein sehr gutes und einleuchtendes Beispiel in der Bibel. Im Markus-Evangelium ist ein Ereignis beschrieben, das sich im Tempel abgespielt hat. Viele Reiche legten Geld in den Spendenkasten. Es kam einiges zusammen. Dann kam eine arme Witwe, die – heute würden wir sagen – ein paar Cent von dem einbrachte, was sie hatte.
Als Jesus das sah, erklärte er seinen Jüngern, dass die Witwe mehr gegeben hat als alle anderen. Im Gegensatz zu denen, die aus ihrem Überfluss gegeben haben, hat sie aus ihrer Armut gegeben. Das bedeutet, sie hat sogar auf Dinge verzichtet, um Geld anderen, die noch weniger hatten als sie, zukommen zu lassen.
Auch dieses Beispiel zeigt, dass es nicht unbedingt darauf ankommt, wie viel ein Christ gibt. Es kommt auf die eigene Haltung beim Spenden an. Bin ich bereit soviel zu geben, dass ich meine persönlichen Ziele und Wünsche teilweise hintan stelle?

Das Prinzip von Saat und Ernte

Eines meiner persönlichen Lieblingsthemen ist das biblische Prinzip von Saat und Ernte. Nachzulesen z.B. im Brief an die Galater. Das Prinzip von Saat und Ernte beantwortet die meisten Fragen, die mit dem Thema „Christ und Geld“ zu tun haben auf eine exzellente und einfach nachvollziehbare Art und Weise: Was der Mensch sät, das wird er auch ernten. Der Volksmund drückt es umgekehrt aus und sagt: „Was du nicht willst das man dir tut, das füg` auch keinem Anderen zu.“
Wenn Sie feststellen, dass Sie vielleicht an einigen Punkten zu geizig sind, dann versuchen Sie, das zu ändern. Sie werden sehen, wie sich auch Ihr Umfeld Ihnen gegenüber ändern wird.
Wenn Sie beschließen, vielleicht doch mal etwas oder etwas mehr einem guten Zweck zu spenden, dann werden Sie feststellen, dass Ihnen dies im Nachhinein nicht als Verzicht vorkommen wird, weil Sie dafür auf welche Art und Weise auch immer um ein Vielfaches entschädigt werden. Das sind zumindest die Erfahrungen, die ich bisher in meinem Leben sammeln durfte. Probieren Sie es doch auch mal aus!

Christ und Geld – eine besondere Verantwortung!

Als Christenmenschen, die wir Vorbild und Hilfe für andere sein möchten, obliegt uns eine besondere Verantwortung in Zusammenhang mit Geld.
Geld an sich ist weder gut noch schlecht. Es ist eine Notwendigkeit, um ein Leben auf der Erde und in unserem Land zu führen. Doch Geld vermag in beiden Fällen, wenn viel oder fast gar nichts von ihm vorhanden ist, den Menschen zu knechten.
Als Christen sollten wir darauf achten, dass wir weder in der einen, noch in der anderen Art vom Geld zu sehr vereinnahmt werden. Im Mittelpunkt des Lebens sollten Beziehungen stehen und zwar Beziehungen zwischen uns und Gott und uns und unseren Mitmenschen. Das ist es, was wahres Leben ausmacht und das ist es, was Christen ihrem Umfeld vorleben sollten. Geld ist bei weitem nicht Alles! Man sollte es allerdings so gut im Griff haben, dass uns weder Geiz noch Gier vom wahren Leben abhalten.

Autor Christian Müller ist Mitarbeiter der Peter Stenger Finanzkonzepte (www.finanzkonzepte.de) und ERBKONTOR (www.erbkontor.de)

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