Erfahrung einer Falschberatung

Heute erst, nach 7 Jahren, bin ich in der Lage zu verstehen, wie es zu diesem, meinem Wohnungskauf überhaupt kommen konnte. 1992 mußte ich sehr viele Steuern zahlen: geschieden, Steuerklasse I – das wollte ich nicht.
Also überlegte ich, was ich dagegen unternehmen könnte. Viele Bekannte hatte ich nicht in München, welche ich um Rat fragen konnte, und so zog ich eine Freundin ins Vertrauen, deren Mann „Finanzierungsberater“ war. Ich habe keinerlei Erkundigungen über diesen Herrn eingezogen, sondern im Gegenteil hatte ich vollstes Vertrauen, er war ja der Mann meiner Freundin.
Und so nahm die unselige Geschichte ihren Lauf. Herr P. kam zu einem Beratungsgespräch direkt in meine Wohnung, erkundige sich erstmal, wie ich mein Geld denn anlegen wollte, in Immobilien, Wertgegenständen usw. Ich war sehr geschmeichelt, daß mich jemand so ernst nahm, übersah aber dabei, daß ich gar nicht so viel Kapital hatte. Und dann entschied ich mich für die Immobilie, nach den Wertmaßstäben meiner Eltern, denn: „Grund und Boden hat immer bleibenden Wert!“ In dieser Zeit hatte ich im Altenheim mit sehr vielen alten Frauen zu tun, die nach dem Krieg sehr hart arbeiten mußten, um am Ende ihres Lebens festzustellen, daß der damalige Arbeitgeber keinen Pfennig in eine Rentenversicherung einbezahlt hatte. Ich hatte Angst, daß es mir einmal genauso ergehen könnte.

Und dann ging die ganze Geschichte sehr schnell, wie uns ja allen bekannt ist. Sozusagen bei „Nacht und Nebel“ war ich Eigentümerin, hatte schöne Farbprospekte in Händen, die Wohnung bis heute noch nie gesehen, und mußte mich „um nichts kümmern“. Heute sehe ich das sehr geschickt ausgeklügelte System dahinter. Ja, ich meine sogar, daß hier ganz meisterhaft psychologisch taktiert wurde. Ich habe zunächst brav bezahlt, ohne mir etwas Böses zu denken. Angefangen zu denken habe ich erst, als die erste Miete nicht mehr bezahlt wurde. Wieviele von dieser Misere betroffen waren sah ich erst bei einer Mitgliederversammlung in Karlsfeld. Damals habe ich mir selbst ein Versprechen gegeben: Ab heute übernehme ich die Verantwortung für den Schlamassel. 

Bis vor einiger Zeit war eine Bank für mich eine „Autoritätsperson“. Heute sehe ich sie als ein Dienstleistungsunternehmen, welchem ich ab sofort mit Vorsicht und unter Auswahl der günstigsten Bedingungen mein Geld gebe, und, wenn sich die Bedingungen verändern, auch überlege, ob nicht ein Wechsel, oder in unserem Fall, eine Anzeige angebracht sei. Hans Tillich hat mich bei meinem Tun unterstützt, und mir somit die Gelegenheit gegeben, Erfahrungen zu sammeln, die wertvoll sind und die mich ein Stück haben wachsen lassen.

Aus diesen Gründen wünsche ich mir, daß wir alle zusammen diese Lektion positiv verarbeiten, uns nicht mehr dumm und unfähig vorkommen, sondern stolz auf uns sein können, was wir in Bewegung gebracht haben, wenn wir unser Geld zurückbekommen oder unseren Schaden minimieren.
U. H.

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