Jugendliche in der Schuldenfalle – Gründe und Auswege

Das Konsumverhalten und der Symbolcharakter von Marken haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Daher gehört das „Shoppen“ mittlerweile zu einer gängigen Freizeitbeschäftigung, die gerade Jugendliche häufig in eine Schuldenfalle treibt. Welche weiteren Gründe es für die Überschuldung bei jungen Menschen gibt und wie diese wieder den Weg in ein schuldenfreies Leben finden, klärt der folgende Text. – Isabel Frankenberg

Während Produkte, wie Pullover und Hosen, früher noch aus pragmatischen Gründen gekauft wurden, dienen sie heute als Statussymbol. Häufig entscheiden der Freundeskreis bzw. die Klassenkameraden darüber, welche Marken angesagt sind. Hinzu kommt die Verbesserung kommerzieller Möglichkeiten für Jugendliche, was bedeutet, dass es ihnen durch Aushilfsjobs und höheres Taschengeld möglich ist, immer mehr und teurer zu konsumieren.

Allein im Jahr 2015 waren 31% der 14- bis 24-Jährigen bereits einmal in ihrem Leben verschuldet. Zudem fand der Bundesverband Deutscher Banken im Zuge einer Umfrage des GfK heraus, dass sich immer mehr Jugendliche Geld von ihrer Familie, ihren Freunden oder sogar der Bank leihen. Da die Jugendlichen jedoch meist nicht über ein geregeltes Einkommen verfügen, ist es ihnen häufig nicht möglich, diese Beträge zurückzuzahlen.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Umfrage war die Frage nach der Ursache für die hohe Jugendverschuldung. Die größten Ausgaben tätigen Jugendliche bei der Beschaffung eines Smartphones. Dies gilt als Kommunikationsmittel Nummer 1 und ist daher für einen Großteil der Jugend von starker Bedeutung. Doch auch folgende Produkte und Umstände gelten als Ursache für die Überschuldung von jungen Menschen:

• Technische Geräte
• Autokauf
• Lebensunterhalt
• Kleidung und Schmuck
• Essen und Trinken
• Luxusgüter

Das größte Problem besteht jedoch darin, dass die Jugendlichen diese Produkte und Luxusartikel häufig nicht bezahlen können. Durch den sogenannten „Ratenkauf“ wird ihnen die Anschaffung dennoch möglich gemacht. Aus diesem Grund geben vor allem junge Menschen mehr Geld aus, als ihnen ursprünglich zur Verfügung steht.

Um Jugendliche vor einer Schuldenfalle zu bewahren, hat die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. auf seinem Ratgeberportal www.schuldnerberatung.de eine Checkliste zusammengestellt, welche wichtige Tipps und Tricks zur schuldenfreien Jugend enthält. Hier wird Teenagern dringlich geraten, sich einen Überblick über ihre Ausgaben zu verschaffen und diese den Einnahmen gegenüberzustellen. So können sie sicherstellen, dass sie nie mehr Geld ausgeben als ihnen zur Verfügung steht. Zudem sollte Kaufimpulsen und Versuchen widerstanden werden, so dass das Geld bis zum Ende des Monats ausreicht. Ein kleiner Teil des monatlichen Geldbetrages sollte zur Seite gelegt und für Notlagen gespart werden.

Die wohl wichtigste Regel lautet: „Mache keine Schulden!“. Hierbei gilt es vor allem von Ratenzahlungen Abstand zu halten. Ist kein Geld mehr vorhanden, sollten auch keine Ausgaben getätigt werden. Schulden machen ist leicht, der Weg aus der Schuldenfalle hingegen nicht. Auch das Konto sollte regelmäßig überprüft werden. Wer es einmal überzieht und im Dispo landet, kommt nur schwer wieder aus der Verschuldung heraus. Daher ist die Barzahlung empfehlenswert. Wer immer nur mit EC-Karte zahlt, droht schnell den Überblick über die Ausgaben zu verlieren.

Sollte ein Jugendlicher trotz der Tipps einmal in die Situation einer Überschuldung kommen, gilt es vor allem möglichst schnell zu handeln. Andernfalls riskiert der Betroffene, dass der Schuldenberg weiterhin wächst. Professionelle Hilfe finden Jugendliche z.B. bei einer Schuldnerberatung. In einigen Städten und Kommunen wird sogar eine separate Jugendschuldnerberatung angeboten. Diese berücksichtigt bei ihrer Beratung auch Themen wie Ausbildung, Auszug aus dem Elternhaus und andere neue Herausforderungen, vor denen junge Menschen zum ersten Mal in ihrem Leben stehen.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. wurde im Januar 2017 vom Rechtsjournalisten Marcel Weber in Berlin gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Transparenz im Bereich Sozialrecht zu schaffen, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die wichtigsten Themen zu bieten.

Ziel und Zweck der Interessengemeinschaft e.V. ist die Beobachtung sozialrechtlicher Entwicklungen, Analyse und Kommentierung aktueller Rechtsprechungen sowie der Bereitstellung von Informationen und Hilfestellungen für Leistungsempfänger und Interessierte. Dabei verfolgt der Verein keinerlei eigenwirtschaftliche Zwecke. Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden. In ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Vereins erhalten diese keine Zuwendungen oder Gewinnanteile aus Mitteln des Vereins.

https://www.schuldnerberatung.de/ebook-verschuldung-jugendlicher.pdf

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