“Schrottimmobilien: Polizei warnt vor Ankauf

In der regionalen wie auch in der überregionalen Tagespresse finden sich zunehmend die reizvollen Schlagwörter wie “Bargeld sofort” oder “trotz Schufa – Kredit ohne Probleme” oder noch eindeutiger “Bargeld beim Kauf einer Immobilie”.

Zielgruppe dieser Anzeigen sind teilweise hoch verschuldete Personen, denen versprochen wird, durch den Erwerb einer Immobilie zusätzlich noch Bargeld zu erhalten. Dazu haben sich hier in Bremerhaven wohnende Tatverdächtige unter seriös klingenden Firmennamen darauf spezialisiert, überwiegend Eigentumswohnungen mit schlechter Bausubstanz billig zu kaufen, wobei die Immobilien überwiegend aus Zwangsversteigerungen stammen. Diese “Schrottimmobilien” werden dann mit gefälschten Unterlagen weit über den Marktwert verkauft. Käufer dieser Immobilien werden über weitere Tatbeteiligte an Geldinstitute zwecks Darlehensbeschaffung vermittelt. Da die Käufer häufig nicht kreditwürdig sind, verfälscht der Vermittler z. B. Lohnbescheinigungen, Arbeitsverträge und auch Gutachten zum Verkehrswert der kreditfinanzierten Immobilie. So getäuscht, wird von den Geldinstituten dann der Darlehensbetrag an häufig den selben Notar ausgezahlt, der zum Teil innerhalb weniger Stunden den Ankauf der Immobilie beispielsweise für 10.000,– € und den Verkauf dieser Immobilie für 120.000,– € beurkundete.

Nachdem der Notar die üblichen Kosten zum Immobilienkauf geleistet hat, wird der Großteil des Bankendarlehens weiter aufgeteilt: Etwa die Hälfte wird an den Verkäufer dieser total überteuerten Immobilie gezahlt; der andere Hauptteil des Darlehens gelangt vom Notaranderkonto zum Vermittler, der sich wiederum für seine “Bemühungen” entlohnt und dem Käufer für seine “Bereitschaft” zwischen 10.000,– € bis 30.000,– € auszahlt.

Diese Tatabläufe werden als kick-back-Zahlungen oder als cash-back beschrieben. Tatsächlich sind die Käufer dabei nicht an der Immobilie interessiert, sondern lediglich an dieser cash-back-Zahlung, die ihnen kurzfristig Liquidität verschafft.

Dabei übersehen die Käufer, dass sich ihre finanzielle Situation nicht verbessert, sondern verschlechtert hat, denn die Geldinstitute werden ihre Finanzierungskosten beim Darlehensnehmer, nämlich dem Käufer, geltend machen.

Hier, im Sachgebiet Wirtschaftskriminalität der Kriminalpolizei, sind zur Zeit mehrere Ermittlungsverfahren in Bearbeitung, wo diese Tatbegehungen in bisher mehr als 70 ermittelten Einzelfällen Schäden zum Nachteil von regionalen und Internetbanken von mehreren Millionen Euro verursacht haben. Gegen alle Tatbeteiligten wird wegen gewerbsmäßigen, bandenmäßigen Kreditbetruges ermittelt, wobei die Strafandrohung für diese Betrügereien mit Freiheitsstrafen von einem Jahr bis zu zehn Jahren liegt.

Polizei Bremerhaven – Polizeipressestelle
Hinrich-Schmalfeldt-Straße 31 – 27576 Bremerhaven
Tel.: 0471/ 953-1401 – Fax 0471/ 953-1409 ”

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