Schuldnerberatung: Lieber qualifiziert oder “staatlich” anerkannt?!

Wird die Anerkennung als geeignete Stelle im Sinne des § 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO von der Landesbehörde erteilt, kann daher auch nicht ein Qualitätsnachweis für die Beratung durch diese Stelle hergeleitet werden.

Karitative Stellen, wie z.B. Caritas, Diakonisches Werk usw. erhalten wegen ihrer „hoheitlichen Aufgaben“ die Anerkennung als geeignete Stelle im Sinne des § 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO ohne Prüfung der fachlichen Qualifikation automatisch. Dies liegt u.a. daran, dass bei diesen Stellen am häufigsten Sozialpädagogen und Sozialarbeiter als Berater (i.d.R. allerdings ohne fachliche Qualifikation in der Schuldnerberatung) tätig sind.

Schließlich ist die Schuldnerberatung ursprünglich als Zweig der Drogenberatung im Zusammenhang mit der Beschaffungskriminalität entstanden, daher notwendigerweise der Bezug zum sozialpädagogischen Bereich. Das ist allerdings 30 Jahre her, damals gab es die Schuldenproblematik als das moderne Massenphänomen, zu der sie geworden ist, noch gar nicht.

Vielmehr ist es heute so, das Schulden alle gesellschaftlichen / sozialen Schichten betreffen und diese an sich der Auslöser für eine existenzielle (Lebens-)Krise sind, in der die sofortige Möglichkeit einer Bewältigung dieser Notlage sowie die existenzsichernde Krisenintervention zwingend notwendig ist.

So steht heute nicht mehr der sozialpädagogische Bereich, sondern vielmehr der fachlich qualifizierte Bereich bei der Schuldnerberatung im Fokus, wie auch dem Internetauftritt der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der (karitativen) Verbände zu entnehmen ist.

Trugschluss staatliche Anerkennung

Grundsätzlich ist jedenfalls festzuhalten, dass sich die Anerkennung als geeignete Stelle im Sinne des § 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO zweifelsohne allein auf die Berechtigung zur Ausstellung einer Bescheinigung über die Erfolglosigkeit des vorgeschriebenen außergerichtlichen Einigungsversuchs im Rahmen eines Verbraucherinsolvenzverfahrens bezieht.

Die auf die Durchführung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens gerichtete Beratung ist allerdings eine Insolvenzberatung und keine Schuldnerberatung, wie z.B. auch die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der (karitativen) Verbände feststellt. Im Positionspapier aus Mai 2011 zur Finanzierung der Schuldnerberatung wird deshalb parallel nachdrücklich darauf hingewiesen, dass Schuldnerberatungsfachkräfte genau genommen umfassende Kenntnisse der Insolvenzordnung und der jeweils aktuellen Rechtsprechung bedürfen bzw. bedürften (…).

Doch sind diese zwingend erforderlichen Kenntnisse bei den karitativen Stellen – die vorwiegend keine Insolvenz- sondern eben Schuldnerberatung betreiben – vorhanden?

Während für Schuldnerberatung, welche zweifelsfrei wirtschaftliche Sozialarbeit ist, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen oder Ökotrophologen (teilweise noch) geeignet sind, verhält es sich für Insolvenzberatung anders.

Doch genau und ausschließlich für diese Insolvenzberatung wird die Anerkennung als – umgangssprachlich – “staatlich anerkannte Schuldnerberatungsstelle” vergeben.

Der VfE e.V. fordert daher dringend den Gesetzgeber auf, diese nicht mehr zeitgemäße, nahezu skandalöse, weil den Verbraucher in die Irre führende Verfahrensweise, auf Bundesebene zu ändern.

Denn momentan wird dem Verbraucher suggeriert, in jeder karitativen, also automatisch – umgangssprachlich – “staatlich anerkannten Schuldnerberatungsstelle” (Hinweis: Es gibt KEINE staatlich anerkannten Schuldnerberatungsstellen!! Es gibt nur anerkannte Stellen nach § 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO.), sitze auch ein fachlich qualifizierter Schuldnerberater. Tatsächlich hat man es allerdings doch meistens mit „einfachen“ Sozialpädagogen zu tun, die Schuldnerberatung eher nebenbei zu ihren Hauptaufgaben wie Familienarbeit, Erziehungsbeistand, Jugendhilfe, Gemeinwesen oder Erlebnispädagogik betreiben. Soziale Schuldnerberatung in allen Ehren, aber nicht getarnt als fachlich qualifiziert weil per Gesetz einfach ohne jegliche Prüfung und Nachweis „staatlich anerkannt“ bestimmt.

Die je nach „Lust & Laune“ von den Landesbehörden vergebene Anerkennung sollte daher künftig von Bundesebene nur noch an fachlich qualifizierte Stellen vergeben und die Zulässigkeit der bisherigen – insbesondere karitativen Stellen – geprüft und ggf. entzogen werden.

Fachlich qualifizierte Schuldnerberatung

Nur so kann sich der Verbraucher auf fachlich qualifizierte Beratung verlassen, welche beim VfE e.V. durch ein Zertifikat der Industrie- und Handelskammer (IHK) über die Teilnahme an einem mehrmonatigen IHK-Zertifikatslehrgang Schuldenberatung inkl. erfolgreicher IHK-Zertifikatsprüfung selbstverständlich gegeben ist. Denn der Verbraucher / Schuldner muss sich an objektiven Qualitätsmerkmalen orientieren können.

VfE – Tipp: Lassen Sie sich vom Schuldnerberater Ihrer Wahl unbedingt einen Nachweis über dessen fachliche Qualifikation (Schuldenberatung) zeigen. Kann er/sie diese nicht vorweisen: Finger weg, aufstehen und gehen. Dies gilt insbesondere für karitative Schuldnerberatungsstellen, „getarnte“ staatliche Anerkennung hin oder her…

Thomas Tillich
2. Vorstand VfE e.V.
(Schuldenberatung IHK)

Verein für Existenzsicherung e.V.
Fachlich qualifizierte Schuldenberatung IHK

Schuldnerberatung München
Schuldnerberatung Dachau
Schuldnerberatung Neuwied
Schuldnerberatung Frankfurt

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