S&K Anlagebetrug: Wirtschaftskrimi, Medienskandal und eine überforderte Bundesregierung

Mit der Vermittlung von geschlossenen Immobilienfonds verdienten sich nicht nur die Gründer der S&K-Immobiliengruppe, Stephan Schäfer und Jonas Köller, sprichwörtlich eine goldene Nase. Insgesamt geht es um einen Anlagebetrug von mehr als 100 Millionen Euro. Laut eigenen Angaben der S&K verwaltet diese einen Immobilienbestand von über 1,7 Milliarden Euro. Wie hoch der tatsächliche Wert der über ein umfangreiches Schnellballsystem aufgebauten Immobiliengruppe ist, wird sich noch zeigen.

“Die betrügerisch erlangten bzw. veruntreuten Anlegergelder sollen hauptsächlich für den extrem aufwendigen und exzessiven Lebensstil der Beschuldigten, für die Anschubfinanzierung, den Aufbau und die hohen laufenden Kosten von eigenen und verbundenen Unternehmen sowie für zweckwidrige Objektfinanzierungen verwendet worden sein”, so die Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main.

Schon Fotos lassen erahnen, wie verschwenderisch dieser Lebensstil gewesen ist: Großzügige Villen, Luxuskarossen der gängigen Nobelmarken, sowie legendäre Partys mit leichtbekleideten jungen Frauen gehörten zum Alltag der beiden Gründer.

Damit ist jetzt Schluss: Neben Stephan Schäfer und Jonas Köller befinden sich seit einigen Tagen 6 von insgesamt rund 50 Beschuldigten in Untersuchungshaft, darunter ein Rechtsanwalt und ein Architekt, der im Verdacht steht, als Immobiliengutachter ohne Zulassung gefälschte Wertgutachten zugunsten der S&K-Immobiliengruppe abgegeben zu haben. Über das wahre Ausmaß der finanziellen Schädigung kann man heute nur spekulieren.

In den Fokus der Staatsanwaltschaft gelangte auch Dorothee Schöneich, die Herausgeberin und Gesellschafterin des Magazins „Finanzwelt“. Es wird davon ausgegangen, dass die Fachjournalistin in ihren Publikationen bewusst wahrheitswidrig für die Produkte der S&K-Gruppe warb und die Zeitschrift mit der Zielgruppe „qualifizierte Finanzberater“ als Werbebroschüre missbrauchte. Hierfür erhielt sie nicht nur ein Beratungshonorar von 6000,-€ im Monat, sondern auch 1% der Umsätze, sowie teure Geschenke, Handtaschen und Schmuck, so der Vorwurf.

Vor dem Hintergrund des vermutlich größten Anlageskandals in Deutschland erscheint der geplante Gesetzentwurf unserer Bundesregierung zur Neuregelung des Anlegerschutzes wie ein schlechter Witz. Sollte dieser umgesetzt werden, ist es künftig noch leichter, manipulierte Bestandsbewertungen durch interne Immobiliengutachter durchzuführen und hiermit Investoren zu täuschen.

Im Gegensatz zu offenen Immobilienfonds, bei der mindestens drei externe Sachverständige quartalsweise den Wert der Vermögensgegenstände feststellen, gibt es für geschlossene Anlagefonds, wie sie von den der S&K-Gruppe verkauft wurden, noch keine entsprechende Regelung.

Statt nun dafür Sorge zu tragen, es betrügerischen Immobiliengutachtern künftig schwerer zu machen, gefälschte Bewertungen für Anlageobjekte abzugeben, rudert unsere Regierung dem ungeachtet einen weiteren Schritt zurück. Im Zuge der Umsetzung der sogenannten AIFM-Richtlinie aus Brüssel ist geplant, sogar bei offenen Beteiligungsmodellen wieder Gutachten von internen Mitarbeitern der jeweiligen Unternehmen zuzulassen. Eine Nachweispflicht zur Qualifikation der „Sachverständigen“ besteht nicht. Somit wäre dieses scheinbare „Anlegerschutzgesetz“ ein Freifahrtschein für Anlagebetrüger.

Ganz im Sinne der Figur Gordon Gekko `s in Wallstreet, in der Michael Douglas die moralische Verkommenheit betrügerischer Spekulanten mit seiner „Gier ist gut“-Rede demonstriert, bleiben uns am Beispiel dieses Wirtschaftskrimis zum Abschluss nur  drei Worte: „Gier frisst Hirn“…

Share