Widerruf von Verbraucherkrediten sehr häufig möglich

Unter anderem waren die nachfolgenden Belehrungsbeispiele zum Fristbeginn waren nach der Rechtsprechung des BGH unzureichend:

–   Die Frist beginnt frühestens mit Erhalt dieser Belehrung

–   Die Frist beginnt einen Tag, nachdem diese Belehrung mitgeteilt wurde und eine Vertragsurkunde, der schriftliche Darlehensantrag oder eine Abschrift der Vertragsurkunde oder des Darlehensantrags zur Verfügung gestellt wurde

–   Die Frist beginnt an dem Tag, welcher der Mitteilung dieser Belehrung und der Bereitstellung einer Vertragsurkunde, des schriftlichen Antrags oder einer Abschrift der Vertragsurkunde oder des Antrags folgt

–   Der Lauf der Frist beginnt erst, wenn Ihnen diese Belehrung ausgehändigt worden ist, jedoch nicht, bevor uns die von Ihnen unterschriebene Ausfertigung des Darlehensvertrages zugegangen ist

–   Der Lauf der Frist beginnt mit Aushändigung dieser Vertragsurkunde, nicht jedoch, bevor die auf Abschluss des Vertrags gerichtete Willenserklärung vom Auftraggeber abgegeben wurde.

Der Bundesgerichtshof ist in seinen Entscheidungen der grundsätzlichen Ansicht, dass mit solchen Belehrungen ein Verbraucher nicht korrekt über den Beginn der Widerrufsfrist aufgeklärt wird. Es entstehe der Eindruck, dass ohne Rücksicht auf eine Unterzeichnung des Verbrauchers bereits am Tag des Zugangs des Angebots die Widerrufsfrist zu laufen beginne. Dies ist unzutreffend, da Frist beginnt erst zu laufen beginnt, wenn der Darlehensvertrag unterschrieben wird.

Durch den Widerruf des Darlehensvertrages kommt man in den Genuss von aktuellen niedrigeren Zinsen. Wer heutzutage ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung abschließt, bezahlt in der Regel ca. 2,0% Zinsen. Vor einigen Jahren waren mehr als doppelt so hohe Zinsen marktüblich. Viele Immobilienfinanzierungen in Deutschland haben eine zehnjährige Zinsbindungsfrist oder länger. Dies ist ungünstig für diejenigen, die zum Beispiel im Jahr 2007 ein Darlehen mit einem Nominalzins von 4-5 % und zehnjähriger Zinsbindung oder länger abgeschlossen haben. Die Darlehensnehmer sind damit bis ins Jahr 2017 oder länger gebunden und müssen die mittlerweile weit über dem aktuellen Marktniveau liegenden Zinsen weiter bezahlen. Ein vorzeitiger Ausstieg ist nur gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung möglich. Eine Umschuldung vor Ablauf der Zinsbindungsfrist lohnt sich daher durch die hohen Vorfälligkeitskosten in der Regel nicht. Wir haben mehr als 400 Darlehensverträge untersucht. Mehr als 2/3 der Darlehensverträge enthalten fehlerhafte Widerrufsbelehrungen. Nur eine ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung setzt die normalerweise 14 Tage dauernde Widerrufsfrist in Gang, so BGH 27.04.1994 VIII ZR 223/93. Daher kann der Verbraucher den Vertrag auch nach vielen Jahren noch widerrufen. Im Falle des Widerrufs wird das gesamte Darlehen rückabgewickelt und eine Vorfälligkeitsentschädigung muss nicht bezahlt werden. Das bisherige Darlehen kann damit durch einen neuen Vertrag mit aktuellen Zinskonditionen ersetzt werden.

Lassen Sie also Ihren Darlehensvertrag prüfen!

Wir haben bereits in vielen Fällen außergerichtliche Vergleiche mit Banken und Sparkassen wegen fehlerhafter Belehrungen abgeschlossen. In ganz wenigen Fällen kommt es mangels Einsehen und Einlenken der Bank zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung.

Rechtsanwalt Tobias Neumeier

www.ansp.de

ra.neumeier@ansp.de

Tel.: 089 53 07 57 50

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