Berater klemmt Fuß in die Tür

In Versicherungen vom 23.09.2008

Vermittler und vermeintliche Finanzberater raten oft zu Produkten, die vor allem ihnen selbst Geld bringen, dabei können sie hartnäckig sein. Geht es Ihnen nicht auch so, dass der Berater vor Ihnen sitzt und Sie sich fragen, ob das alle stimmt, was er Ihnen erzählt. Dieser Gedanke ist gerechtfertigt! Einige Tipps, wie Kunden den Fallen entgehen.

Berater klemmt Fuß in die Tür Selbst Untersuchungen der Stiftung Warentest zeigen: Die Beratung in finanziellen Fragen ist oft mangelhaft. Der jährliche Schaden durch fehlerhafte Angaben, falsche Empfehlungen, nicht gehaltene Versprechungen und auch Anlagebetrug geht in die Milliarden. Es lohnt sich deshalb, im Umgang mit Finanzberatern ein paar Faustregeln zu kennen.

1. Die Qualifikation

Eine schöne Visitenkarte ist ein guter Anfang, jedoch kein Gütesiegel. Es wird empfohlen den Berater schon im Vorfeld konkret nach seiner Qualifikation zu fragen. Auch wenn der Berater bereits bekannt ist, sollte nach Weiterbildung und neue Regelungen gefragt werden.
Zwischenzeitlich sind viele Tätigkeiten rund um die Anlageberatung erlaubnispflichtig, wenn auch zum Beispiel gerade der Verkauf von hochriskanten Unternehmensbeteiligungsmodellen davon ausgenommen ist. Doch leider sind in der Praxis immer wieder „Berater“ ohne Zulassung unterwegs.

2. Die Bezahlung

Finanzberater werden von den Versicherung durch eine Provision bezahlt, sie informieren deshalb nie wirklich unabhängig, sie wollen natürlich das verkaufen was dem Berater am meisten Geld bring. Fragen Sie den Berater ob er an einen bestimmten Anbieter oder eine bestimmte Vertriebsorganisation gebunden ist und nur dann Geld verdient, wenn er gegen Provision die entsprechenden Produkte verkauft.
Gerade Bankberater sind an bestimmte Produkte gebunden, daher sollten die Kunden sich erkundigen, an welche Produkte die Bank gebunden ist und welche finanziellen Anreize es für den Berater gibt. Der Bankenexperte müsste darauf hinweisen, dass es auch für Bankangestellte inzwischen konkrete Umsatzvorgaben gibt.

3. Der Finanzcheck

Ein guter Berater checkt den Ist-Zustand vorher durch, fragt nach dem Ziel und analysiert die Finanzierungsangebote mit allen eventuellen Rikiken. Die Praxis sieht jedoch oft anders aus. Banken und Sparkassen bieten solche Haushaltsanalysen oft nur der gehobenen Kundschaft an. In diese Lücke sind sogenannte Strukturvertriebe gestoßen, die auch für Klein- und Mittelkunden eine Analyse kostenlos oder sehr günstig anfertigen.
Hier besteht die Gefahr, dass die Haushaltsanalyse zu einem gigantischen Verkaufsförderungssystem wird. Der Berater deckt bei dem Kunden große Versorgungslücken auf, empfiehlt die Kündigung bestehender Verträge und hat zufällig das optimale Produkt zur Lösung des Problems. Verträge zu kündigen birgt aber immer ein Risiko, fragen Sie bei dem Vertragspartner nach, welche Kosten bei der Kündigung auf Sie zukommen.

4. Anlagekosten

Fragen Sie immer nach den Kosten von Anlageprodukten und lassen Sie sich dies möglichst schriftlich geben. Gerade bei langfristigen Verträgen sind die mitentscheidend, was am Ende für den Kunden herausspringt. Verweigert der Berater konkrete Angaben oder verschweigt er das Thema lieber, ist dies ein guter Grund nicht zu unterschreiben.

5. Die Rendite

Achtung vor Angeboten mit hohen Anlageerträgen. Renditen von fünf Prozent und mehr sind derzeit nur zu erwirtschaften, wenn die Anlage auch ein erhöhtes Risiko mit sich bringt. Berater die mehr versprechen und dabei 100-prozentige Sicherheit suggerieren, sind mit größter Wahrscheinlichkeit unseriös.

6. Die Steuerfrage

Seriöse Finanzexperten empfehlen, eine Anlageentscheidung nie allein von möglichen Steuervorteilen abhängig zu machen. Denn selbst wenn sich die Anlage steuerlich lohnen sollte, muss der Berater prüfen, ob das auch auf längere Sicht so bleibt und ob die Anlage auf Dauer bedarfsgerecht ist. Seien Sie deshalb Vorsichtig bei Beratern, die vor allem mit dem Steuersparargument locken, oftmals stimmen diese Berechnungen nicht.

7. Der Vergleich

Vergleichen Sie grundsätzlich mehrere Angebote auch wenn Sie schon seit einiger Zeit bei einem Berater gute Erfahrungen gemacht haben. Leider stimmt das Sprichwort: „Gier frisst Hirn“ (Siehe KfW-Bank).

8. Das Protokoll

Finanzberater müssen seit Juli 2007 ein Protokoll von ihrer Beratung erstellen, dies dem Kunden vorlegen, erklären und der Kunde muss dieses Protokoll unterschreiben. Versichern Sie sich, dass Sie alles verstanden haben.

9. Die Alternativen

Es gibt auch unabhängige Honorarberater an die Sie sich wenden können. Diese lassen sich für ihre Ratschläge nach Zeitaufwand bezahlen, verkaufen aber nichts. Adressen finden sich im Internet unter www.berater-lotse.de. Ob die hier aufgeführten Fachleute tatsächlich nur unabhängig beraten, lässt sich allerdings nicht überwachen. Eine unabhängige Finanzberatung gegen Honorar bieten teilweise auch Verbraucherzentralen an.




Quelle: PRT, SZ, Öchsner



Artikel als PDF-Version

Berater klemmt Fuß in die Tür