Schuldner müssen sich warm anziehen

Vor allem amerikanische Investoren sind dick im Geschäft. Die Kreditkäufer treiben künftig die Raten ein, vereinbaren Zahlungsziele, verwerten Sicherheiten und klagen im Extremfall das Geld ein.

Die Wirtschaftswoche berichtet (Ausgabe 38/ 2005), dass alleine 2004 Kredite im Volumen von 23 Milliarden Euro veräußert werden. Hierbei handelt es sich ausschließlich um sog. Problemkredite, also Kredite die zur Zeit nicht bedient werden können. Bei gekündigten Darlehen ist ein Verkauf rechtlich nicht zu verhindern. Für den Kreditnehmer bedeutet dies, dass die Verhandlungen über die Rückzahlung erneut bei Null beginnen. Meist fordert der neue Gläubiger eine umgehende Rückzahlung und nennt dieses Vorgehen konsequent. Die Wirtschaftswoche zitiert den Anwalt eines Schuldners: „Der Ton ist scharf, unmissverständlich, und die angekündigten Maßnahmen sind unnachgiebig.“

Einziger Trost ist, dass die Aufkäufer die Kredite nicht zur Nominalsumme erwerben, d.h. die Forderung ist meist niedriger als die ursprüngliche Kreditsumme. Eine Rückzahlung ist allerdings in der Regel nicht ohne weiteres möglich, sonst wäre die Bezeichnung Problemkredit auch fehl am Platze. Nach den Gründen für die Kreditaufnahme fragt niemand, auch nicht nach den näheren Umständen. Die Betreuung von Problemkrediten ist ein grundsätzlich anderes Geschäft als die Darlehensvergabe.

Der Kreditkauf scheint ein lohnendes Geschäft zu sein. Vor allem Unternehmer müssen damit rechnen, künftig nicht mehr nur mit ihrer Hausbank zu verhandeln. Die Aufkäufer verlangen Verkaufsvollmachten für Immobilien und Maschinen, einziges Ziel ist die Bedienung des Kredits, nicht das langfristige Überleben der Firmen. Privatpersonen werden massiv unter Druck gesetzt, auch der VfE hat bereits erste Erfahrungen gesammelt. Hans Tillich erhielt Besuch von zwei Assetmanagern. Die Herren in dunklen Anzügen traten „sehr fordernd auf“, erzählt er, „und verlangten sofortige Zahlung“. Als Tillich sich weigerte, für sein Mitglied Zahlungen zu veranlassen und dies mit ungeklärten rechtlichen Details begründete, zogen die Herren unverrichteter Dinge ab.

Mittlerweile laufen auch Verhandlungen mit diesen Aufkäufern über wirtschaftliche Lösungen, um den Bankrott der Kunden zu verhindern.

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