Verbraucherkonkurs – Zwielichtige Schuldenregulierer mit staatlicher Anerkennung

Seit die neue Insolvenzordnung in Kraft ist, verfallen immer mehr „Absahner“ auf die Idee, sich einen quasi amtlichen Anstrich zu verpassen, indem sie auf ihre staatliche Zulassung hinweisen und sich beispielsweise etwa „staatlich anerkannte Schuldnerberatung“ oder auch „Schuldenregulierungsstelle“ nennen, um dann an den häufig praktisch mittellosen Opfern kräftig zu verdienen. Die Verbraucherzentralen haben auf diese Entwicklung mehrfach hingewiesen und Abhilfe gefordert. Die Verbraucher-Zentrale NRW fordert „eine bundeseinheitliche Regelung, die gewerbliche Anbieter von der Beratung beim Verbraucherkonkurs ausschließt“.

Der vermeintliche Retter stellte sich auf im Fernsehen vor. Im Videotext von Pro Sieben stand die Botschaft, die verhieß, sich von einem Alptraum befreien zu können:
„Der Weg aus dem Schuldensumpf ist leichter als Sie denken.“ Tatsächlich war das Angebot der Schuldenverwaltungsgesellschaft eher geeignet, den klammen Kunden noch stärker in die Miesen zu treiben. Für rund 1200 € erbot sich die Firma, die Verbindlichkeiten bis zur vollständigen Tilgung zu verwalten. Obendrein hielt der Schuldenregulierer es für angemessen, seine Bemühungen mit einer fortlaufenden Verwaltungsgebühr von zehn Prozent jeder geleisteten monatlichen Zahlung zu vergelten.
„Mit horrenden Entgelten für unnütze Leistungen versuchen kommerzielle Schuldenregulierer seit jeher die Ärmsten der Armen auszunehmen“, weiß Johann Tillich vom Verein für Existenzsicherung e. V.
Als „Novum“ wertet der VfE jedoch, dass Service à la Schuldenregulierer nun einen staatlichen Anstrich hat. Die Firma, in der Vergangenheit schon vielfach im Zwielicht, kann sich als eine von der Bezirksregierung Düsseldorf anerkannte Stelle für das seit 1999 gültige Insolvenz- verfahren empfehlen.
Was Tillich „als den schieren Irrsinn“ brandmarkt, geht auf einen Baufehler der Insolvenzordnung zurück. Danach setzt jedes Bundesland das Gesetz in Eigenregie um. Dazu gehört auch, die Kriterien für die Zulassung als „geeignete Stelle“ festzulegen.

Einige Bundesländer erlauben nur anerkannten Schuldnerberatungsstellen der Kommunen, Wohlfahrtsverbände und der Verbraucher-Zentralen, Schuldnern beim langwierigen privaten Konkursverfahren zur Seite zu stehen. In Nordrhein-Westfalen hingegen bietet sich auch gewerblichen Schuldenregulierern die Chance, als „Insolvenzberatungsstelle“ auftreten zu können.

„Die Anforderungen für die Zulassung sind so lasch, dass unseriöse Firmen schnell durchs Netz schlüpfen“, kritisiert Experte Tillich.
Dank der „Absolution für Abzocke“ eröffnet sich anrüchigen Gesellschaften ein enormer Kundenkreis. Rund 4,0 Millionen Haushalte hierzulande gelten als überschuldet. Viele setzen konkrete Hoffnungen in den „Verbraucherkonkurs“, der Privatleuten ermöglicht, sich nach sechs Jahren Wohlverhalten von ihren restlichen Schulden zu befreien.
Der Andrang überforderte jedenfalls die zuverlässigen Schuldnerberatungsstellen. Mitlerweile betragen die Wartezeiten bei den öffentlich geförderten Schuldnerberatungsstellen zwischen 12 und 18 Monate. Von dieser Situation trachten die kommerziellen Schuldenregulierer
zu profitieren. Die Firmen, die ausschließlich an den eigenen Kontostand denken und entsprechend handeln, „wittern einen Markt für den schnellen Euro“.

Ob in Anzeigen, im Videotext oder im Internet: Über ausgedehnte Wartezeiten frustrierte Schuldner finden überall Hinweise auf „unkomplizierte Soforthilfe“. Wer anbeißt, der erlebt, wie sein Schuldenberg weiter wächst: wegen der happigen Entgelte, welche die Firmen für Tätigkeiten verlangen, die es beim Verbraucherkonkurs keineswegs braucht.

Dabei haben jene selbsternannten Helfer aus Finanznot besonders leichtes Spiel, die auf behördlichen Segen verweisen können. So kurbelte eine kommerzielle Schuldnerhilfe ihren Kundenfang an, indem sie das Prädikat „staatlich anerkannt“ herausstellte – verliehen von den Hamburger Sozialbehörden.

Die Leichtfertigkeit in der Hansestadt hat gravierende Konsequenzen. Denn solche Freibriefe nutzen Schuldenregulierer, um bundesweit zu agieren – auch in jenen Ländern, wo sich die Behörden gewerblichen Anbietern durchweg verweigern. Um dem Missstand beizukommen, fordert der Verein für Existenzsicherung e. V. jetzt, „die Zulassung von Insolvenzberatungsstellen umgehend bundeseinheitlich zu regeln und für kommerzielle Interessenten die Tür zum Anerkennunsgsverfahren zu versperren“.

Sinnvoll wäre ein bundesweites Zentralregister, in dem alle seriösen Schuldnerberatungsstellen erfasst sind.

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